Michael Hörls Verschleierung der Tatsachen


Im derStandard vom 10. Oktober findet sich ein Kommentar von Michael Hörl. Dieser wettert (wie bereits berichtet) über die Gier der kleinen Leuten.

Anbei meine Replik, welche ich als Leserbrief an info@derStandard.at gesendet habe.

Zuallererst möchte ich Michael Hörl in einem Punkt zustimmen: Die „kleinen“  Leute haben natürlich am System teilgenommen, welches jetzt so sehr zu wanken scheint. Ihr Geld liegt z.b. veranlagt in Hedgefonds. Jedoch liegt deren Geld dort, um ihre Rente zu sichern. Nicht um einen Profit zu erwirtschaften. Für  Hörl ist dieses Verhalten der „Kleinen“ Gier.
Doch ist es Gier Geld bei der Bank mit 3% Zinsens zu veranlagen? Liegt die  Grenze bei 2% oder doch bei 5%? Wer profitiert von den Einlagen der „Kleinen“  und wer versucht über Werbung diese Einlagen zu bekommen? Es sind natürlich  Banken die wie jedes Unternehmen versuchen ihre Profite zu steigern.

Es zeigt sich also: Am System nehmen die Kleinen wie die Grossen teil.  Einflüssmöglichkeiten in diesem System haben jedoch nur die Grossen.

Ein Grossteil der Kritik Hörls dreht sich um die Schulden der Staaten. Und  wenn er vom unablässigen Aufnehmen von Krediten der Staaten redet, muss ihm  recht gegeben werden.
Seine Kritik wird populistisch, wenn er den Hauptzweck der Schulden in der  Zahlung von Wahlversprechen sieht.  Was Hörl verschweigt ist dies: Staaten nehmen Schulden auf um wettbewerbsfähig zu bleiben. Mit den Schulden werden Autobahnen gebaut, die Eisenbahn finanziert, FHs und Unis erhalten usw  usf. Würde eine Staat keine Schulden aufnehmen und diese Investition nicht  aufnehmen, würde er im Staatenwettbewerb zurückfallen und Wachstumseinbussen hinnehmen.

Hörl ist gegen „Wachstum auf Pump“. Seine Kritik liest sich wie ein Pladoyer auf das Null-Wachstum. Was er unter dem Tisch fallen lässt sind die Folgen  schwachen Wachstums: Hohe Arbeitslosigkeit, geringere Steuereinnahmen, …

Es zeigt sich eben: Kapitalismus ist kein System bei dem an einem Zahnrad  gedreht werden kann und alles ist in Butter. Das System ist voller  Widersprüche und gezwungenermassen krisenhaft.

Zu guter Letzt sei noch auf den Hinweis Hörls, dass die Menschen über ihre  Verhältnisse gelebt haben, einzugehen.  Während in Jahren des wirtschaftlichen Aufschwungs, der (nur moderat)  gestiegene Wohlstand der Kleinen als Zeichen für die positiven Eigenschaften  des Kapitalismus verkündet wird, sieht das in Krisenzeiten ganz anders aus.  Nun wird den Kleinen mitgeteilt: Ihr habt über Eure Verhältnisse gelebt.

Hörls Beitrag zur Diskussion über die Krise, ist als Verschleieerung der tatsächlichen Verhältnisse zu sehen.

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