Die Finanzkrise und die Gier der kleinen Leute


… so lautete der Titel einer Diskussionsveranstaltung der Industriellenvereinigung Salzburg, stattgefunden am 20.9.2011.

Diskussionsveranstaltung und Buchpräsentation mit MMag. Michael Hörl

Die Finanzkrise und die Gier der kleinen Leute [Taschenbuch]

Aus Neugierde über die Menschen die solch eine Veranstaltung besuchen und den Inhalt bzw. dem Ton der Diskussion, beschloss der Autor dieses Textes dort aufzutauchen. Der Hinweis auf „geschlossene Veranstaltung“ auf deren Terminkalender liess nichts gutes erwarten. Bewaffnet mit einem der wenigen vorhandenen Hemden machte er sich trotzdem auf dem Weg zum Umspannwerk Salzburg-Aigen.

Alle Klischees erfüllen

Während die Sorge um Eingangskontrollen umsonst waren, erfüllten sich die Klischees über die BesucherInnen vollends. 40-50 Menschen, zum grossen Teil Männer über 50 mit Anzügen warteten dort bereits auf den Beginn der Veranstaltung.

Bevor Michael Hörl mit seiner Buchpräsentation begann, verdeutlichte eine Sprecherin der IV Salzburg um was es heute gehen sollte. Jeden Tag würden UnternehmerInnen und BankerInnen in Radio und Zeitungen schlecht gemacht. Überall würde gegen Reiche gehetzt und deren sozialen Leistungen unter dem Tisch fallen gelassen. Es herrsche eine Hegemonie der populistischen Linke in Medien und Politik.

Die Einleitung hatte den Ton einer Selbsthilfegruppe und hatte wohl auch deren Funktion. Es ging darum zu zeigen: „Wir sind nicht die Bösen“, „Wir haben die schlechte Presse nicht verdient“.

Kreisky, Bush und Griechenland: Überall nur Sozialisten

Ein grosser Teil des Vortrags Michael Hörls drehte sich dabei um die Kritik am Kapitalismus und an UnternehmerInnen. Genauer gesagt: Um eine Kritik an dieser Kritik. Während die Argumente von Attac (speziell Felber), der Gewerkschaften und der Sozialdemokratie auseinandergenommen wurden, setzte er Politiker wie Kreisky, Bush und Clinton gleich. Alle diese hatten „nur“ der WählerInnenstimmen wegen massive Schulden aufgenommen an denen wir heute noch leiden.

Natürlich fehlte auch der Antiamerikanismus nicht. Während die AmerikanerInnen sich auf jede Blase stürzen, sind wir EuropäerInnen vorsichtiger. (Interessant dabei: Dieser Punkt kam später im Vortrag wieder als Argument gegen Europa: Die Bevölkerung ist zu wenig unternehmerisch und zu pessimistisch).

Nicht nur ein Kern Wahrheit

Wäre nicht der polemische Ton gegen die Linke insgesamt, könnte mensch sich der Kritik Hörls an den Argumenten Attacs, der Gewerkschaften usw usf anschliessen. Zwei seiner Thesen möchte ich dabei herausstreichen, da sie mir richtig erscheinen.

  • Zu viel Geld am Markt ist ein Grund der Finanzkrise
  • Staaten nehmen ständig Schulden auf die sie nicht zurückzahlen können

Während Hörl den Grund für das Aufnehmen von Schulden und das Drucken von Geld als Antwort auf sinkende Zustimmung der PolitikerInnen in der Bevölkerung suchte, ist der Grund ein anderer. Das Wettern Hörls auf „Wachstum auf Pump“ liess den Vortrag fast als Pladoyer auf Nullwachstum erscheinen.

Richtiger ist jedoch: Genau dieses Wirtschaftswachstum, beziehungsweise das Ausbleiben desselbigen, ist der Grund für die niedrigen Zinsen der Notenbanken (sprich dem billigen Geld). Und Schulden wurden natürlich auch für Sozialleistungen aufgenommen, jedoch natürlich auch für Infrastruktur, ohne diese erfolgreiches Wirtschaften in einem Land schwer möglich ist.

Ginge es nach Hörl, wäre es ganz einfach was zu tun ist: Weniger Schulden. Was jedoch weniger Wachstum für einen Staat bedeutet, wurde nicht thematisiert. Hier liegt in meinen Augen der Knackpunkt. An dieser Stelle hat die Kritik anzusetzen. Kapitalismus ist eben ein System voller Widersprüche. Das Drehen an einer Schraube, verursacht Probleme an einer anderen Stelle.

Und täglich grüsst die Fekter

Während der Ton des Vortrags abgesehen vom üblichen Wettern gegen „die Linke“ frei von Ausdrücken wie „Sozialschmarotzern, Parasiten, …“ und ähnliches blieb, sah dies in der Diskussion danach etwas anders aus. Die „Hetze“ gegen Reiche und Unternehmen erinnerte Hörl an vergangene Zeiten. Nebenbei setze er noch Nazis und Kommunisten gleich. Dieser Diskurs setzt nahtlos an die Entgleisungen Fekters an.

„Außerdem bauen wir gerade enorme Feindbilder in Europa gegen die Banken, die Reichen und die Vermögenden auf. So etwas hatten wir schon einmal, damals verbrämt gegen die Juden, aber damals waren ähnliche Gruppierungen gemeint. Es hat das zweimal in einem Krieg geendet.“
[derStandard.at : Empörung über Fekters Vergleich zwischen Juden- und „Reichenverfolgung]

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4 Antworten to “Die Finanzkrise und die Gier der kleinen Leute”

  1. Gerhard Mayer Says:

    Hab das Buch gelesen, kann die Kritik nur teilweise verstehen. Buch ist außerordentlich spannend geschrieben und weicht tatsächlich vom Mainstream ab. Auch ich teile nicht alle seine Meinungen, so war das Buch aber alleine deshalb schon so spannend, weil man einmal sieht, wie Liberale denken.
    Und man muss nachdenken

    • … weicht tatsächlich vom Mainstream ab…
      Stimme ich dir zu. Wäre ja sonst auch nicht „alternatives“ wirtschaften *g*

      … weil man einmal sieht, wie Liberale denken. …
      das versteh ich nicht ganz. was meinst du mit liberale?! meinst du es im sinne von libertär, sprich anarchistisch. oder liberal im sinne von wirtschaftsliberal?!

  2. […] Im derStandard vom 10. Oktober findet sich ein Kommentar von Michael Hörl. Dieser wettert (wie bereits berichtet) über die Gier der kleinen […]

  3. […] Während bei Irene Schulte klar ist, welche Position vertreten wird, ist das bei einem Wirtschaftspublizisten nicht ganz so klar. Jedocj: Michael Hörl steht der industriellen Vereinigung nahe und sieht die Verantwortung für die Finanzkrise bei den „Kleinen“. (Siehe auch mein Beitrag über eine Veranstaltung mit ihm und der Industriellenvereinigung Salzburg: Die Gier der kleinen Leute). […]

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