Was uns die Salzburger Politik erspart hat…


… sind nicht hohe Mieten oder das Sinken der Reallöhne. Was sie uns aber dankenswerter erspart hat, ist das Vorhalten der kapitalistischen Normalität. Denn anstatt des eingeladenen Jean Zieglers, wurde dann doch Joachim Gauck eingeladen eine Rede zur Eröffnung der Festpiele zu halten.

… Und dann gibt es Salzburg! Und diese Festspiele! Hier gibt es Menschen, die Fantasie, Energie und Geld aufbringen, um ins Bewusstsein zu bringen, was uns auf die Spur des Überlebens zurückruft. Wir haben verschiedene Namen für diesen Vorgang, wenn Menschen das Grau ihrer Niederungen verlassen, sich neue Sichtweisen zumuten, neue Haltungen zu eigen machen, neu daran glauben, wichtig und wertvoll zu sein. …
Ausschnitt Joachim Gaucks Rede

Während dies die emanzipatorische, aufklärerische Seite der Festspiele hervorhebt, sieht das Jean Ziegler in seiner (nicht gehaltenenen) Festspielrede etwas anders

… Was ist mein Traum? Die Musik, das Theater, die Poesie – kurz: die Kunst – transportieren die Menschen jenseits ihrer selbst. Die Kunst hat Waffen, welche der analytische Verstand nicht besitzt: Sie wühlt den Zuhörer, Zuschauer in seinem Innersten auf, durchdringt auch die dickste Betondecke des Egoismus, der Entfremdung und der Entfernung. Sie trifft den Menschen in seinem Innersten, bewegt in ihm ungeahnte Emotionen.

Und plötzlich bricht die Defensiv-Mauer seiner Selbstgerechtigkeit zusammen. Der neoliberale Profitwahn zerfällt in Staub und Asche. Ins Bewusstsein dringt die Realität, dringen die sterbenden Kinder. Wunder könnten in Salzburg geschehen: Das Erwachen der Herren der Welt. Der Aufstand des Gewissens! Aber keine Angst, dieses Wunder wird in Salzburg nicht geschehen! Ich erwache. Mein Traum könnte wirklichkeitsfremder nicht sein! Kapital ist immer und überall und zu allen Zeiten stärker als Kunst. „Unsterbliche gigantische Personen“ nennt Noam Chomsky die Konzerne. …

Warum dieser Traum nicht zustande kommt, fasst er kurz zusammen

… Es ist gleichgültig, welcher Mensch an der Spitze des Konzerns steht. Es geht nicht um seine Emotionen, sein Wissen, seine Gefühle. Es geht um die strukturelle Gewalt des Kapitals. Produziert er dieses nicht, wird er aus der Vorstands-Etage verjagt. Gegen das eherne Gesetz der Kapitalakkumulation sind selbst Beethoven und Hofmannsthal machtlos. …

Als Hoffnung, als Mittel der Veränderung der Gesellschaft zu einer gerechteren, solidarischeren sieht er folgendes

Die Hoffnung liegt im Kampf der Völker der südlichen Hemisphäre, von Ägypten und Syrien bis Bolivien, und im geduldigen, mühsamen Aufbau der Radikal-Opposition in den westlichen Herrschaftsländern. Kurz: in der aktiven, unermüdlichen, solidarischen, demokratischen Organisation der revolutionären Gegengewalt.

Danke an Frau Burgstaller und der SPÖ Salzburg für das Ausladen Jean Ziegler, wer würde sich denn auch die einzigartige Atmosphäre der Festspiele von einem ewigen Nörgler wie Jean Ziegler vermiesen lassen wollen.

Die (nicht gehaltene) Rede Zieglers gibts auch auf youtube zum Nachhören

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Eine Antwort to “Was uns die Salzburger Politik erspart hat…”

  1. Also ich find die Rede vom Gauck interessant, eigentlich schreit sie direkt nach einer Gegenrede bzw. Ergänzung mit u.a. dem Hinweis das die von ihm geforderte Realpolitik dazu führt dass es die Unterdrückung die er verurteilt immer noch gibt und dass einige PolitikerInnen versuchen so manche im Realsozialismus praktizierten Zensurmassnamen auch im „Westen“ einzuführen…

    Wäre interessant, ob ihm selber die Kunst wirklich soviel gibt oder ob er die salbungsvollen Worte in die Richtung von jemand anderem schreiben oder sogar nur abschreiben hat lassen 😉

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