Drogenpolitik Salzburg im Jahr 2011


Die Salzburger Nachrichten berichten

Suchtgift. Die Zahl der Drogentoten erreichte einen neuen Höchststand. Damit sind allein in den vergangenen drei Jahren 39 Todesopfer zu beklagen.

Warum 40 Menschen in Salzburg durch Drogen sterben mussten, wird im Artikel nicht erwähnt. Starben sie durch Überdosis? Aufgrund mit Krankheiten infizierter Nadeln? Oder etwa durch schlecht hergestellte chemische Drogen? Mit dieser Information wäre es ja auch möglich sinnvolle Strategien zu diskutieren. Aber das scheint einem moralischen und von Gefühlen geleiteten Journalismus im Wege stehen.

,,Ecstasy beobachten wir kaum noch. Stattdessen greifen mehr Leute zu Lifestyledrogen wie Amphetamine, vor allem um im Job und in der Freizeit fit zu sein und dem Leistungsdruck standzuhalten“, sagt Franz Schabus-Eder, Drogenkoordinator des Landes Salzburg.

Wenn es nun das Ziel des Drogenkoordinators wäre, den Drogenkonsum niedrig zu halten, wäre es ja angebracht, über diesen Leistungsdruck zu diskutieren. Über den Ursprung desselbigen zu reden und ihn zu kritisieren. Geschieht hier aber nicht. Er scheint gottgewollt/natürlich zu sein.

Stattdessen wird über die wichtige Dinge gesprochen.

Dass der größte Teil des Drogenkonsums auf Cannabis entfällt, ist für Christian Voggenberger, Leiter der Suchtgiftgruppe im Landeskriminalamt Salzburg, nicht neu. […] „Der Konsum von Cannabis wird stiefmütterlich behandelt. Bei Jugendlichen entsteht der Eindruck, dass Cannabis quasi legal sei, weil es kaum Konsequenzen gibt. Daher plädiere ich für Geldstrafen – und zwar beim ersten Konsum. Ein Jugendlicher, der 200 Euro zahlen muss, überlegt es sich besser.“

Kurz gesagt: Es sollten mehr Resourcen in die Bekämpfung des Cannabiskonsums investiert und die Bestrafung desselbigen verschärft werden. Warum? Wird nicht erwähnt. Auch hier wird statt einer differenzierten Drogenpolitik auf Repression durch Strafen gesetzt.

Noch zum Schluss eine kleine Bemerkung: Im Vergleich zu den 39 Drogentoten in 3 Jahren, ist die Anzahl der tödlichen Verkehrsunfälle versursacht durch Alkoholkonsum massiv höher.

Drogenpolitik im Jahr 2011 in Salzburg: Moralisch, heuchlerisch, nicht zielführend.

Update: Nen recht guten Text über Drogenpolitik gibts auf der Don’t Panik Website der GAJ Wien.

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7 Antworten to “Drogenpolitik Salzburg im Jahr 2011”

  1. Der Bericht auf der Website vom Land Salzburg ist deutlich ausgewogener da steht u.a.:

    //Der vorwiegend jugendliche Neugier- bzw. Gelegenheitskonsums vor allem von Cannabis, der sich im Wesentlichen als vorübergehendes Phänomen einer relativ kurzen Lebensphase darstellt, ist seit vielen Jahren auf gleichem Niveau.//

    Den Vergleich mit den Alkohol-Toten (wozu übrigens nicht nur die Leute zählen die an alkoholbedingten Verkehrsunfällen sterben) find ich eher weniger zielführend… Leute die ein Drogenproblem haben haben nix davon, dass sie im Vergleich zu den „Alkis“ eine Minderheit sind…

    zu der Thematik, dass es eh nur wenige sind haben sie sich eh auch geäussert:
    //Diese Tendenz ist sehr bedauerlich“, betonte Schmidjell, „auch wenn Salzburg hier bei der Anzahl an Drogenopfern im österreichweiten Durchschnitt liegt, ist jeder Drogentote einer zuviel.“//

    Interessant find ich auch folgende Textsetllen:
    //“In der Suchtprävention werden wir genau hier – vor allem in der Aufklärung über Substanzen und deren Wirkungen – mittel- und längerfristig unsere Schwerpunkte setzen“, so Landesrätin Mag. Cornelia Schmidjell. //

    und

    //“Die zunehmende Bedeutung von so genannten „Life-Style-Drogen“ wie Amphetaminen spiegelt die gesellschaftliche Entwicklung wider, nach der Menschen immer mehr und rascher Leistung erbringen und funktionieren müssen“, betonte Dr. Franz Schabus-Eder vom Sozialmedizinischen Dienst des Landes. „Der Leistungsaspekt gilt aber nicht nur in der Arbeitswelt, sondern er wirkt sich auch auf das Freizeitverhalten aus und begünstigt unter anderem den Konsum dieser Art von Drogen.“ //

    aja und sie schreiben was zur Ursache von zumindest einem Teil der Drogentoten:
    //Im Jahr 2010 starben in Salzburg 15 Menschen an einer Überdosis, 80 Prozent davon auf Grund einer gefährlichen Mischintoxikation. 2009 waren in Salzburg 13 Drogentote zu beklagen. //

    Den ganzen Artikel gibt’s hier:
    http://www.salzburg.gv.at/lkorr-meldung?nachrid=47414

    • erstmal danke für den link, der ist hilfreich.
      das blogposting ist mir auch nicht so ganz gelungen find ich. ein problem ist die mangelnde trennung zwischen kritik zum bericht der SN ÜBER die sbger drogenpolitik und der kritik über die drogenpolitik selbst.

      • Es gibt eh auch regelmässig Artikel über die Alkohol-Problematik und auch bei dieser Suchtprävention und -Behandlung wird gespart…
        Es ist aber leider immer noch so, dass bei Alkohol viele Leute nicht an dessen Suchtpotential denken, bei illegalen Drogen schon eher… aber weil Akohol leider eher verharmlost wird heisst das nicht, dass man die Problematik um Drogen, auf jedem Fall um die harten Drogen, nicht trotzdem ernst nehmen soll….

    • Den Vergleich mit den Alkohol-Toten (wozu übrigens nicht nur die Leute zählen die an alkoholbedingten Verkehrsunfällen sterben) find ich eher weniger zielführend… Leute die ein Drogenproblem haben haben nix davon, dass sie im Vergleich zu den „Alkis“ eine Minderheit sind…
      Ich würde ja die Bezeichnung „Drogenproblem“ kritisieren. Damit wird ja schon die unsinnige Trennung zwischen legalen/illegalen und harten/weichen Drogen gemacht.

      Es ging mir mit dem Vergleich mehr darum, zu zeigen dass mit unterschiedlichen Mass gemessen wird.

    • aja und sie schreiben was zur Ursache von zumindest einem Teil der Drogentoten:
      //Im Jahr 2010 starben in Salzburg 15 Menschen an einer Überdosis, 80 Prozent davon auf Grund einer gefährlichen Mischintoxikation. 2009 waren in Salzburg 13 Drogentote zu beklagen. //

      Das ist interessant. Weil die gefährliche Mischungen der chemischen Drogen kommen ja gerade durch die Illegalisierung zustande. Weil ständig neue chemische Drogen auf den Markt geworfen werden müssen, damit sie kurzfristig legal sind, kommen dann auch solche schlecht getesteten Mischungen zusammen.

      Weiters ist das ja auch eine soziale Sache: Wer mehr Geld hat, kann sich „saubere“, sprich reinere Drogen leisten, die auch weniger/keine gesundheitlichen Risiken mit sich bringen.

      Aber DIESE Diskussionen werden in dem SN Artikel halt geflissentlich ignoriert.

      • Ich schätz mal, dass die neuen Mischungen auch deshalb zustande kommen, weil es dann was neues ist und die Leute dauernd was neues brauchen, ist ja auch ausserhalb der Drogenszene so, dass man eher auffällt, wenn man noch was neueres unbekannteres hat… und der Preis kann wohl auch eine Rolle spielen….

        Dafür das reinere Drogen keine gesundheitlichen Risiken mit sich bringen können hätte ich aber gerne Belege, ausser du zählst alles, was bewusstseinseerweiternd wirkt dazu und sogar dann glaub ich eher nicht, dass Drogen nehmen, zumindest wenn mans aufgrund von Abhängigkeiten (auch wenns „nur“ psychische sind) in grösseren Mengen nimmt immer gesundheitliche Beeinträchtigungen mit sich bringen… ist auch bei Alkohol und Medikamenten so, ich weiss…

        Gibt’s eigentlich Länder die sogenannnte harte Drogen zumindest in gewissem Ausmass tollerieren und Untersuchungen dazu, wie sich das auf die KonsumentInnen auswirkt? Oder beziehst Du Dich eher auf weiche Drogen? Kennst Du irgendwelche gute Studien zur Situation in Holland, also was deren vergleichsweise tollerenater Umgang mit weichen Drogen für Folgen hat oder nicht hat?

      • naja, „Mischintoxikation“ habe ich falsch verstanden. Mischintoxikation bedeutet die Mischung verschiedener Drogen. Ändert aber am Argument nit so viel finde ich.

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