(Anti–)Kapitalismus(-Kritik): Motivation (1/5)


Dieses Posting stellt den ersten von fünf Teilen einer von mir geschriebenen Einführung rund um das Thema (Anti–)Kapitalismus(-Kritik) dar. Über Feedback freue ich mich natürlich sehr… (Die nächsten Teile der Reihe: Kapitalismuskritik, Antikapitalismus, Kapitalismus ist Querschnittsmaterie, Weiterführend)

Motivation:

Vor einer Auseinandersetzung mit dem Thema Kapitalismus, stellt sich die Frage warum dies überhaupt notwendig sein sollte. Ist es wirklich notwendig natürliche bestehende Ordnungen zu hinterfragen? Ist es notwendig Systeme zu analysieren denen wir tagtäglich ausgesetzt sind, sind wir dadurch nicht automatisch ExpertInnen auf diesem Gebiet?

Für ein selbstbestimmtes, bewusstes Leben ist es notwendig eigenes Verhalten und Denken zu reflektieren und Einflüsse auf dieses zu erkennen. Gesellschaftliche Verhältnisse und Systeme beeinflussen das Denken und Handeln von Individueen. Dabei spielt es keine Rolle ob mensch sich dessen Einfluss bewusst ist.

Ein bewusstes Beeinflussen ist das steuerliche System. Es lenkt und beeinflusst individuelles Verhalten. Indem es Autos mit höheren Abgasen stärker besteuert als andere, beeinflusst es das Kaufverhalten von Menschen.Eine oft unbewusste Beeinflussung ist die Heteronormativität. Dieses ist das klassische binäre Geschlechterdenken in unserer Gesellschaft. Wenn eine Menschen von Kindesbeinen auf die Normalität von heterosexuellen Beziehungen gezeigt und gelehrt wird, so führt das zu einer Beeinflussung über das Denken von Sexualität und geschlechtlichen Rollenbildern.

Oft wird bei diesem Thema auf den freien Willen des Menschen verwiesen. Natürlich kann sich mensch gegen diese Einflüsse wehren. Mensch kann statt dem billigeren abgasarmen das teurere Fahrzeug wählen (auch wenn das natürlich nicht sinnvoll sein mag). Mensch kann sich von traditionellen Geschlechterrollen widersetzen und den eigenen Weg gehen.Um jedoch ersteres tun zu können, ist es notwendig finanziell gut gestellt zu sein, ist mensch das nicht, fällt diese Entscheidungsmöglichkeit weg. Um zweiteres realisieren zu können, braucht mensch oft einen starken Willen, viel Mut und oft ist die Konsequenz Diskriminierung oder sogar Gewalt gegen die eigene Person.

Alle diese Punkte zeigen die Notwendigkeit auf, gesellschaftliche System und Funktionsweisen zu hinterfragen und zu analysieren. In diesem Beitrag geht es konkret um unser wirtschaftliches System. Den Kapitalismus. Dieser ist besonders interessant, durchzieht er ja unser ganzes Leben.Kapitalistische Mechanismen kommen in unserer Freizeit (was können wir uns leisten?), unserem Berufsleben (wie sehr kann ich mich verwirklichen?) und auch in unserem zwischenmenschlichen Beziehungen (kann ich mir Kinder leisten? Wer arbeitet, wer bleibt zu Hause?) zum tragen.

All dies zeigt, dass die Frage, ob dieses kapitalistische System positives Verhalten der Menschen untereinander und der Natur gegebenüber belohnt, von Wichtigkeit ist.

Advertisements

15 Antworten to “(Anti–)Kapitalismus(-Kritik): Motivation (1/5)”

  1. *Ist es wirklich notwendig natürliche bestehende Ordnungen zu hinterfragen?*

    Ich bin auf jedem Fall der Meinung, dass es notwendig ist, die bestehende Ordnung zu hinterfragen. Wobei sich da die Frage stellt, was man als „natürliche Ordnung“ bezeichnet? Das aktuelle Gesellschafts- und Wirtschaftssystem basiert natürlich auf gewisse natürliche Faktoren, aber als „natürliche Ordnung“ würde ich sie deshalb nicht bezeichnen, klingt ja so, als ob es die einzige mögliche wäre?

    *Ist es notwendig Systeme zu analysieren denen wir tagtäglich ausgesetzt sind, sind wir dadurch nicht automatisch ExpertInnen auf diesem Gebiet?*

    Hm, also ob es notwendig ist… es ist auf jeden Fall sinnvoll…. ExpertInnen sind wir wohl nicht, aber ich denk mal, dass die meisten von uns die Möglichkeit haben Informationen zu sammeln und zu analysieren… was meiner Meinung nach ganz interessant ist…

    […]

    *All dies zeigt, dass die Frage, ob dieses kapitalistische System positives Verhalten der Menschen untereinander und der Natur gegebenüber belohnt, von Wichtigkeit ist. *

    Hm, da stellt sich halt die Frage: Was ist Folge des Kapitalistischen Systems? Die dürfte eher schwer zu beantworten sein, meiner Meinung nach halt, weil es war ja nicht so, dass das Kapitalistische System plötzlich da war…. also so: Vorher war das perfekte System in dem die ganzen Probleme die jetzt im Kapitalismus auftreten nicht aufgetreten sind und dann ist der Kapitalismus gekommen und alles war schlecht….

    Ich glaub, dass vieles was im Kapitalismus grad für die Schwächeren und auch kritisch denkenden Menschen zu Problemen führt halt doch irgendwie ein Bedürfnis von vielen Menschen ist was es auch in Vor-Kapitalistischen Systemen schon gegeben hat, was aber durch die Möglichkeiten die sich seitdem ergeben haben (Industrialisierung etc.) halt verstärkt auftritt…

    Ich bin bestimmt kein Kapitalismus-Fan, aber bisher sind die meisten Versuche was anderes zu machen ja doch gescheitert, auch wenn die System im sogenannten Ostblock und anderen Ländern nicht kommunistisch waren, in einigen Ländern hats ja die Versuche gegeben „echte Kommunistische“ Systeme einzuführen (wie auch immer man die jetzt definiert) und rausgekommen sind Totalitäre Staaten…

    Andere größere Versuche in den letzten Jahrzehnten in einem ganzen Land ein anderes Geselllschafts-/ Wirtschaftssystem einzuführen sind mir ehrlich gesagt nicht bekannt, schon gar keine Erfolgreichen..

    Ich glaub, dass so Systemänderungen eher im Kleinen funktionieren, aber nicht im größeren Umfang, aber ich bin auf jedem Fall schon mal gespannt, wie Deine Serie weitergeht…

    • erstmal danke für dein feedback. ich werde deine argumente/anmerkungen in einzelnen kommentaren beantworten, glaube dann lässt sich leichter diskutieren…

  2. Wutimbauch: „Ist es wirklich notwendig natürliche bestehende Ordnungen zu hinterfragen?“

    Rosa: „Ich bin auf jedem Fall der Meinung, dass es notwendig ist, die bestehende Ordnung zu hinterfragen. Wobei sich da die Frage stellt, was man als „natürliche Ordnung“ bezeichnet? Das aktuelle Gesellschafts- und Wirtschaftssystem basiert natürlich auf gewisse natürliche Faktoren, aber als „natürliche Ordnung“ würde ich sie deshalb nicht bezeichnen, klingt ja so, als ob es die einzige mögliche wäre?“

    Sehr guter Hinweis. Ist nicht besonders gut formuliert. Ich stimme dir inhaltlich zu. Was haltest von der Variante:

    „Ist es wirklich notwendig so genannte natürliche bestehende Ordnungen zu hinterfragen?“

  3. Wutimbauch: „All dies zeigt, dass die Frage, ob dieses kapitalistische System positives Verhalten der Menschen untereinander und der Natur gegebenüber belohnt, von Wichtigkeit ist.

    Rosa: „Hm, da stellt sich halt die Frage: Was ist Folge des Kapitalistischen Systems? Die dürfte eher schwer zu beantworten sein, meiner Meinung nach halt, weil es war ja nicht so, dass das Kapitalistische System plötzlich da war…. also so: Vorher war das perfekte System in dem die ganzen Probleme die jetzt im Kapitalismus auftreten nicht aufgetreten sind und dann ist der Kapitalismus gekommen und alles war schlecht….“

    Klar, das ist natürlich ein Prozess gewesen. Im Text geht es auch mal primär anzusehen wie es JETZT ist und wie sich die Wirtschaft so tickt und was das für Auswirkungen hat…

    Klar ist auch: Vor-kapitalistische Gesellschaften/Wirtschaftsweisen waren nicht automatisch besser/gerechter/…

    Sollte ich viell. etwas expliziter formulieren—

    Rosa: „Ich glaub, dass vieles was im Kapitalismus grad für die Schwächeren und auch kritisch denkenden Menschen zu Problemen führt halt doch irgendwie ein Bedürfnis von vielen Menschen ist was es auch in Vor-Kapitalistischen Systemen schon gegeben hat, was aber durch die Möglichkeiten die sich seitdem ergeben haben (Industrialisierung etc.) halt verstärkt auftritt…

    Naja mein Argument wäre: Es gibt materielle und inmaterielle Bedürfnisse von Menschen. Das Ziel der Wirtschaft SOLLTE es sein diese Bedürfnisse zu decken. Wie und ob da funktioniert hängt stark von der Art und Weise ab nach welchen Regeln die Wirtschaft tickt.

    Rosa: „Ich bin bestimmt kein Kapitalismus-Fan, aber bisher sind die meisten Versuche was anderes zu machen ja doch gescheitert, auch wenn die System im sogenannten Ostblock und anderen Ländern nicht kommunistisch waren, in einigen Ländern hats ja die Versuche gegeben „echte Kommunistische“ Systeme einzuführen (wie auch immer man die jetzt definiert) und rausgekommen sind Totalitäre Staaten…

    Das eine ist für mich die Kritik und die Analyse des herrschenden Wirtschaftssystem und das andere wie mensch damit umgeht. Der Text (und Fortsetzungsteile) fokussieren in dem Falle auf ersteres: Analyse & Kritik.

    Rosa: „Andere größere Versuche in den letzten Jahrzehnten in einem ganzen Land ein anderes Geselllschafts-/ Wirtschaftssystem einzuführen sind mir ehrlich gesagt nicht bekannt, schon gar keine Erfolgreichen..“

    Stimmt, wäre auch ne spannende Diskussion WARUM das so ist…

    Rosa: „Ich glaub, dass so Systemänderungen eher im Kleinen funktionieren, aber nicht im größeren Umfang, aber ich bin auf jedem Fall schon mal gespannt, wie Deine Serie weitergeht…

    darüber lässt sich auch gut streiten, aber stimmt.. es kommen ja noch weitere texte..

    • Stefon: Naja mein Argument wäre: Es gibt materielle und inmaterielle Bedürfnisse von Menschen. Das Ziel der Wirtschaft SOLLTE es sein diese Bedürfnisse zu decken. Wie und ob da funktioniert hängt stark von der Art und Weise ab nach welchen Regeln die Wirtschaft tickt.

      Rosa: Hm, also die *im*materiellen Bedürfnisse sind eigentlich was was eben die Wirtschaft nicht decken kann find ich, auch wenn sie es versucht zu tun bzw. versucht materielle Bedürfnisse basierend auf die immateriellen Bedürfnisse zu schaffen…. oder wie meinst Du das?

      Rosa: „Andere größere Versuche in den letzten Jahrzehnten in einem ganzen Land ein anderes Geselllschafts-/ Wirtschaftssystem einzuführen sind mir ehrlich gesagt nicht bekannt, schon gar keine Erfolgreichen..“

      Stefon: Stimmt, wäre auch ne spannende Diskussion WARUM das so ist…

      Rosa: Find ich auch, kommt mir vor, als ob das eigentlich viel zu selten passiert 8odet eigentlich gar nicht, oder?)

      Rosa: „Ich glaub, dass so Systemänderungen eher im Kleinen funktionieren, aber nicht im größeren Umfang, aber ich bin auf jedem Fall schon mal gespannt, wie Deine Serie weitergeht…“

      Stefon: darüber lässt sich auch gut streiten, aber stimmt.. es kommen ja noch weitere texte..

      Rosa: Dann bin ich mal gespannt!

  4. […] Wut im Bauch… Zusammenfassung österreichischer politischer Unkultur « (Anti–)Kapitalismus(-Kritik): Motivation (1/5) […]

  5. Stefon: Hast du nen Alternativvorschlag wie es besser klingen könnte?

    zu hinterfragen, was von vielen als „natürliche Ordnung“ bezeichnet wird…
    schwierig 😉

  6. […] dar. Über Feedback freue ich mich natürlich sehr… (Vorherigte Teile: Motivation, Kapitalismuskritik. Die nächsten Teile der Reihe: Kapitalismus ist Querschnittsmaterie, […]

  7. […] und Regeln auseinanderzusetzen. Wer Lust darauf hat, kann meine (kurze, hoffentlich motivierende) Einleitung zu dem Thema online […]

  8. […] Viel Geld mit wenig Arbeit… … gibt es nur für die wenigstens von uns. Warum das so ist, könnt ihr zum Beispiel hier nachlesen. […]

  9. […] Wer aber nun Amazon oder Zalando kritisiert ohne der Ursprung dieser unangenehmen Symptome erwähnt, der oder die findet nicht den Grund (kapitalistische Wirtschaftsweise), sondern nur die Symptome skandalös. Diese Art von Kritik verpufft dann auch wirkungslos. (Für eine kurze Einführung über Kapitalismus und dessen Funktionsweise verweise ich ganz uneitel auf meinen früheren Blogeintrag). […]

  10. […] Wer ein Interesse an einem gemeinschaftlichen Zusammenleben hat, bei dem es um Kooperation und dem Wohlergehen aller geht, sollte nicht Ehrlichkeit und Rücksichtnahme predigen, sondern Aufrufen zu einem Kampf für Gesellschaft, welche es nicht notwendig macht gegen andere zu konkurrieren. (Wer Interesse an ein einer Argumentation hat, WARUM die Ökonomie in dieser Gesellschaft zwangsweise zu solch negativen Ergebnissen führt, empfehle ich meine kurze Einführung in die Kapitalismuskritik.) […]

  11. […] Schulterzucken führen. Mensch sollte sich bewusst machen, dass einer Wirtschaftsweise (= Kapitalismus), der alles an der Vermehrung von Geld und nichts an der Erhaltung der Umwelt und den Bedürfnissen […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: