Weltfrauentag – Wirklich notwendig?


Am heutigen 8. März jährt sich zum 100 Mal der Weltfrauentag. Dieser Tag wurde aufgrund fehlender Rechte von Frauen vor 100 Jahren begründet und wird seitdem begangen. Auch dieses Jahr gibt es eine Reihe von Veranstaltungen, Demos usw.. Manche mögen sich dabei fragen: Ist dieser Tag notwendig?

Letzendlich wurde doch die Hauptforderung der FeministInnen erfüllt: Auch Frauen dürfen wählen. Dabei darf aber eines nicht aus dem Auge verloren werden, das ist beleibe nicht das einzige was FeministInnen zu erreichen versuchten und versuchen.

Auch nachdem Frauen wählen durften, war es ihnen nicht erlaubt ohne der Erlaubnis von Männern zu arbeiten, Abtreibung wurde in jedem Fall hart bestraft und den Strafdelikt „Vergewaltigung in einer Beziehung“ gibt es auch noch nicht SO lange. Es zeigt sich: Frauenrechte bedeuten mehr als Wahlrecht. Und je nach Strömung des Feminismus (den davon gibt es viele) sind noch unterschiedlich viele Dinge zu erreichen.

Eien kurze Liste zeigt was nach 100 Jahren Weltfrauentag und feministschen Kampf immer noch nicht erreicht wurde

  • Frauen sind in hohen politischen Ämtern und Unternehmenspositionen nur marginal vertreten
  • Frauen werden in Werbung und Film weiterhin grossteils nur als Sexobjekte und schmückendes Beiwerk verwendet
  • In Österreich gibt es gerade erst 2 Rektorinnen (von 21 RektorInnen-Posten)
  • Frauen sind von Gewalt überproportional betroffen
  • Frauen verdienen in Österreich im Schnitt 20% weniger als Männer

Während alleine das als Grund zählen dürfte wütend zu werden, ist die Betrachtung des Weltfrauentages in den Medien mehr als beschämend. Salzburger Nachrichten, DerStandard und diePresse waren sich nicht zu schade anti-feministische, unsachliche und erz reaktionäre Artikel zu bringen. Ein Auszug?

Die ebenfalls ständig kolportierten höheren Einkommen von Männern sind Folge von Überstunden, von Karriere-Ehrgeiz und der Tatsache, dass Frauen Ausbildung und Job weniger nach Verdienstchance als nach der Freude am Beruf aussuchen. Was nachvollziehbar ist, aber nicht bejammert werden sollte
[Salzburger Nachrichten vom 3.3.2011 – Andreas Unterberger]

Alle Frauen haben also weniger Lust auf Karriere, Männer sind die harten die Karriere über das eigene Wohl stellen? Grob stereotyp und wirft gesellschaftliche Probleme auf die einzelne Person zurück.

Die feministische Doktrin von der Unterdrückung des weiblichen Geschlechts lässt sich schon seit längerem nicht mehr belegen. Frauen gelten im Gegenteil heute als die eigentlichen Gewinnerinnen der Modernisierung; ihr Aufstieg im Laufe der vergangenen dreißig Jahre ist eklatant: Sie machen die besseren Schulabschlüsse, studieren häufiger, dominieren ganze Fachbereiche wie inzwischen auch Medizin und Jura und stellen die Mehrheit der kompetenten Berufsanfänger.
[derStandard vom 7.3.2011 – Walter Hollstein]

Walte Hollstein will uns im derStandard weissmachen dass Frauen beruflich erfolgreicher sind. Er sollte sich eher fragen warum zwar, wie er richtig anmerkt, in vielen Studienrichtungen mehr Frauen als Männer studieren, aber auch in diesen Fächern Professorinnen wesentlich weniger verbreitet sind als Professoren.

Früher haben die männlichen Linken den Arbeitern eingeredet, dass sie unterdrückt sind; heute reden die weiblichen Linken den Müttern und Hausfrauen ein, dass sie unterdrückt sind. Buchstäblich geht es um eine Enthauptung der Familie, sofern nämlich der Vater traditionell als Oberhaupt der Familie verstanden wurde. Aber es geht auch um die Durchsetzung des androgynen Ideals – die Geschlechterrollen sind austauschbar.
[diePresse vom 5.3.2011 – Norbert Bolz]

Der typische Vorwurf der „Gleichmacherei“. Geht es an die Aufhebung von Herrschaftsverhältnissen, scheint es einige Menschen zu geben die sofort diesen Vorwurf aus dem Hut ziehen. Dabei geht es um die individuelle Entscheidung über den eigenen Lebensentwurf. Ob Mann, Frau oder Transgender. Kein Mensch sollte aufgrund der Zuweisung an ein Geschlecht benachteiligt oder am selbstbestimmten Leben gehindert werden!

Mir geht es hier nicht um den Ruf nach Zenszur dieser Artikel aus den Zeitungen. Es geht um die Auswahl und die Entscheidung welche Artikel Platz dort bekommen. Denn über Feminismus und Weltfrauentag kann auch kritisch und reflektiert geschrieben werden, ohne in anti-feministische und erzreaktionäre Muster zu fallen bzw. für solche AutorInnen in der Zeitung Platz zu finden.

Viel besser wäre eine Auseinandersetzung mit dem verschiedenen Strömungen des Feminismus. Den davon gibt es einige: Gleichheits/Differenzfeminismus, Autonomer Feminismus, bürgerlicher Feminismus, radikaler Feminismus, …

Denn eines ist klar: Herrschaftsverhältnisse gibt es zuhauf in unserer Gesellschaft. Und die Kategorie Geschlecht beeinhaltet einige davon!

Ich kann nur empfehlen den 19. März zu nutzen und dem Aufruf des Bündnisses 20.000 Frauen zur Grossdemo in Wien zu folgen!

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Eine Antwort to “Weltfrauentag – Wirklich notwendig?”

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