Bettelverbot vor oder für Banken?


Heute früh wurde mir mal wieder ein österreichisches Schmankerl geboten. Ich stand auf dem Vorplatz des Salzburger Bahnhofes. Kurz bevor eine Gruppe von (vermutlich) RumänInnen an mir vorbeigingen, drehte einer davon um und wandte sich an mich. In der Hand ein laminiertes Blatt Papier. Ich wusste schon um was es ging und griff in meine Geldtasche um einen Euro hervorzuziehen.

Bevor ich jedoch dazukam, stürmte aus der BAWAG Bankfiliale, die sich direkt hinter mir befand ein Mann. Das erste was er von sich gab „Es gibt ein Bettelverbot vor Banken!“.  Ich gebe zu, davon hatte ich in dem Moment das erste mal gehört. Also war das einzige was ich von mir gab „Nagut, dann gehen wir halt 5 Meter weg.“

Diese Aussage hat den (vermutlich) Bankangestellten doch etwas irritiert. „Hilfsbereit“ informierte er mich über die Existenz von rumänischen Bettelbanden. Auf meine Antwort, dass ich das wüsste und dass diese Menschen sicher auch keine grosse Freude daran hätten betteln zu müssen, kam mein allerliebster Spruch zurück: „Sie Gutmensch“. Mit einer wütenden Handbewegung meinerseits endete das „Gespräch“ mit dem Bankangestellten, der sich wieder in seine Filiale zurückzog.

Ein paar Überlegungen zu diesem Vorfall.
Natürlich gibt es Probleme mit Bettelbanden. Die Frage ist wer von den Bettelnden das Geld bekommt, wofür es verwendet wird und so weiter. Es lässt sich auch trefflich darüber debattieren ob es Sinn macht Kleingeld herzugeben.

Aber am meisten macht mich die Reaktion des Bankangestellten wütend. Ein „fleissiger tüchtiger“ Mann der in einer respektierten Firma arbeitet und nach sozial schwächeren tritt. Mussten wir nicht gerade eine Bankenkrise durchstehen, in deren Milliarden Euro für die Rettung der Banken ausgegeben werden mussten? Sich als Bankangestellter in so einer Situation als moralisch hochwertiger zu sehen ist schon eine Leistung…

Und daher habe ich dazu jetzt zwei Fragen an euch!

  • Wisst ihr ob es ein Gesetz gibt, welches Betteln vor Banken verbietet?
  • Und wäre es nicht längst an der Zeit ein Bettelverbot für Banken zu beschliessen?

Würde mich sehr über Meinungen und Anregungen freuen…

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27 Antworten to “Bettelverbot vor oder für Banken?”

  1. Bettelverbot für Banken – das hätte was.
    Dass es ein Bettelverbot vor Banken gibt, wage ich zu bezweifeln. Höchstens eine Verordnung der Stadt.

  2. Spende, wenn du spenden willst, aber wo ist der Kern des Themas? Die Bank? Der Angestellte? Die RumänInnen? Dein edles Herz?
    Eine Alltagsgeschichte ohne Gag, ohne Hintergrund. Ist meine Meinung…

  3. Wozu soll denn ein Bettelverbot gut sein? Hier in München gilt das m.W. als städt. Ordnungswidrigkeit, daher hocken sich die Bettlerinnen in den Sichtschutz von parkenden Autos, Verteilerkästen und dergleichen. Bis sie vom dicken Benz des Sohnes abgeholt werden.

    Die Bettelei ließe sich nur abstellen, wenn keiner was gibt. Das ist der unregulierteste Markt, Angebot und Nachfrage, so simpel. Steck doch Deine kleinen Kröten in ein Sparschwein und spende den Inhalt zum Jahresende für rumänische Kinderheime oder so. Bestimmt effektiver.

  4. Grüssi Stefon,
    interessant, dass Du das heute schreibst:
    Mir ist gestern im McDonald’s – auch am Bahnhof – etwas
    ganz Ähnliches passiert:
    Eine Mann mit Frau und Kind kommt herein und sie setzen sich
    an den Nebentisch, laminierter Zettel etc. – wie bei Dir.

    Wir haben jeder was hergegeben – ein Euro oder so tut ja keinem
    weh, Banden hin oder her – und dann wurden sie verständlicherweise
    vom ich glaube Restaurantleiter gebeten zu gehen.

    Was ich im Innenbereich ja verstehe – da hat der Betreiber das
    Hausrecht – klar.

    Im öffentlichen Raum glaub‘ ich ist es dann ein Grenzfall, wenn es zu
    nahe zB am Eingang der Bank ist – aber genau bin ich da rechtlich
    nicht informiert.

    Die Reaktion des Bankbeamten hätte mich vermutlich im ersten
    Moment auch geärgert – wenn so was wieder ist kannst ja frech
    „Danke, das nehm‘ ich jetzt als Kompliment“ drauf sagen hehe.
    Für die Rhetorik-Freunde unter uns: „Unerwartete Zustimmung“
    kommt immer gut 8-).

    Zu Deiner zweiten Frage:
    Wenn ein Bettelverbot für Banken, dann weltweit – staatenweise oder
    nur innerhalb der EU bringt das ja bekanntlich nix.

    Viele Grüße,
    Georg

  5. ich hatte letztens auch ein erlebnis:

    als wir so an der salzach rumgesessen sind spricht uns eine frau an ob wir den typ, der da auf dem markatsteg ziehharmonika spielt kennen würden, ob der „von hier“ komme, und ob er auch „wirklich bedürftig“ sei. weil man kenne das ja schon, diese banden, wo das geld ja am ende nur irgendwelche „bosse“ bekommen um sich damit ein dickes auto zu kaufen…

    da es sich um den typ mit dem kaputten gesicht handelte, viele werden ihn vom sehen kennen, der wohl tatsächlich ein bisschen schwierigkeiten haben dürfte seine arbeitskraft auf konventionelle weise zu verhökern, freute es die dame zu hören dass das ein „echter“ bettler sei. da konnte sie also mit ruhigem gewissen etwas spenden. weil diese ausländischen bettelbanden, nein, die sind ja kriminell…

    ich nenn so ein verhalten jetzt mal wohltätigkeits-rassismus. meiner meinung nach eine der eindeutigsten folgen der jahrzehnte-langen gehirnwäsche durch krone&co. das stichwort rumänien ruft – hand aufs herz – bei uns allen (!) negative assoziationen mit banden, kriminellen, betteln usw. ins bewusstsein.

    im übrigens finde ich greift ein bettelverbot für banken zu kurz. ein neugründungsverbot wäre wohl sinnvoller, kombiniert mit der legalisierung von bankraub.

  6. mir ist grad aufgefallen dass ich eine doku zum thema betteln rumliegen habe. ich find das thema interessant, gibt was her für einen film-abend mit diskussion. was haltet ihr davon?

    • Wie heisst die Doku denn? Fänd ich ganz interessant. Würdest du organisieren wollen? Oder suchst du eine Gruppe dies organisieren soll?

      • natasha heißt sie, und ich würd den abend organisieren, suche aber leute die bock haben auch ein bisschen inhaltlich zu diskutieren.

      • @d: mich würde das schon interessieren. du meinst nen abend privat bei wem? und inhaltlich diskutieren: einfach menschen die interesse haben oder expertInnen?

  7. Hier meine 2cents:

    Auf der einen Seite einen auf moralischen zu machen und andererseits dem Bankangestellten sein Recht auf sein eigenes Verhalten abzusprechen ist für mich heuchlerisch! Besonders, wenn du dann noch so ein Thema, wie Bankenkrise nimmst und dem Angestellten überstülpst.

    Wenns dich wütend macht und länger als ein paar Sekunden beschäftigt und ärgert, frag dich doch, was du daraus fürs nächste mal für dich lernen kannst. Wie kannst DU deine Kommunikation ändern, damit du dich das nächste mal nicht mehr ärgern musst?

    Und jaa, wenns ein Bettelverbot für Banken gibt, wär das geil!! Wobei Banken und Absurdität ist sowieso wieder ein eigenes Thema…

    • öhm… ich habe ein Problem mit dem Verhalten des Bankangestellten. Was ich an meiner Reaktion ändern würde: Ich würde ihn damit konfrontieren, dass er moralisch nicht besser/schlechter ist als der Bettler.
      Warum sollt ich versuchen mich nicht zu ärgern?!

      • Sollen tust du gar nix… Du kannst diesen Post auch ignorieren, wenn du willst *g*

        Ich hab aus deinem Post heraus gelesen, dass du mit dem Ausgang nicht glücklich warst. Was bekommst du, wenn du – sollte es noch einmal so eine Situation geben – wieder dasselbe machst? Genau, höchstwahrscheinlich mehr vom selben 😉

        Deswegen war das als Anregung, mal was neues zu probieren – So du überhaupt einen anderen Ausgang haben willst.

        Ist schon witzig, wenn sich mehrere Leute Gegenseitig von Moral was erzählen wollen und komplett was anderes damit meinen…

        Und ja, wenn du es bis jetzt noch nicht probiert hast, so jemanden zu konfrontieren, dann probiers mal aus. Siehst dann eh, ob sichs was bringt. Wenn nicht, probier was anderes!

        lG

    • „Wie kannst DU deine Kommunikation ändern“

      soll das heißen man hätte dem bankbeamten gleich eine in die goschn haun sollen um da mit einem besseren gefühl aus der begegnung rausgehn zu können? wär eine sehr klare form der kommunikation 😉

      aber ernsthaft, mit so einer einstellung kann man selbst in der schlimmsten krise unter dem repressivsten regime glücklick werden.

      • Wenn du gleich ein besseres Gefühl hast, bei einer Meinungsverschiedenheit jemandem eine rein zu hauen, möcht ich nicht mit dir face-to-face diskutieren…

        Schon gar nicht, wenn das die einzige Form einer klaren Kommunikation ist, die du anscheinend kennst 😉

      • ok, ich sollte meinen beißenden sarkasmus vielleicht noch deutlicher unterstreichen…

  8. 1. Meines Wissens ist nur „aggressives Betteln“ verboten, wie das definiert ist weiss ich allerdings nicht. Ich geb zwar Bettlern kein Geld sondern kauf mir lieber die Apropos (da weiss ich, dass die Obdachlosen sicher selber was von dem Geld behalten dürfen), aber ich find, dass sich das mit der Bettelei selber regeln soll.

    2. Banken müssen nicht betteln, die kriegen das Geld eh so (auch wenn vermutlich die kleinen Angestellen nicht so viel davon abbekommen).

    • @1: was meinst du mit „dass sich das mit der Bettelei selber regeln soll.“?

      @2: stimmt leider auch *g*

      • Ich mein, dass wenn die Leute der Meinung sind, dass Bettler nicht unterstützt werden sollen und ihnen nichts mehr geben sie eh von selber verschwinden, wenn die Leute ihnen was geben wollen dann bleiben sie… so lange sie nur normal fragen, ob man Geld für sie hat ists ja kein Problem… meiner Meinung nach….

      • @claudia: Naja das Problem sind ja nicht die Menschen die Betteln, sondern die Situation dass Menschen überhaupt betteln müssen oder? Und das ist ja nicht dadurch behoben, wenn kein Geld mehr hergegeben wird…

  9. Claudia Says:

    Ich bin nicht dafür, die Leute zu überzeugen, dass sie den Bettlern nix mehr geben sollen, damit sie verschwinden, weil sie mich stören.
    Ich mein, dass die Politiker „nicht-agressives Betteln“ nicht von vorneherein verbieten sollen, weil in Gegenden in denen die Mehrheit eh nix gibt werden die Bettler eh nicht bleiben.
    Das Bettlverbot oder auch Nicht-Bettel-Verbot die Probleme der Leute nicht löst weiss ich eh selber (vom Betteln alleine kann man wohl nicht mehr als nur irgendwie existieren, vor allem wenn die betreffenden Leute noch alt und/ oder krank sind). deshalb wärs zu wünschen, dass die Poliker ihre Zeit besser dafür einsetzen sozial Schwache zu unterstützen als sich irgendwelche Bettelverbote auszudenken.

    • Ahh ok dann habe ich dich missverstanden!
      „deshalb wärs zu wünschen, dass die Poliker ihre Zeit besser dafür einsetzen sozial Schwache zu unterstützen als sich irgendwelche Bettelverbote auszudenken.“
      ich finde „wünschenswert“ zwar es zu nett formuliert, aber ich gebe dir natürlich recht!

  10. KINOKI Says:

    wie angekündigt wirds einen KINOKI abend zum thema betteln geben, siehe: http://www.ubase.eu/~kinoki/?p=494

    hoffe die diskussion kann dabei ein bisschen weiter vertieft werden!

  11. Bettlern Geld zu geben foerdert nur die Banden und ihre Ausbeutung der Bettler. Gib ihnen stattdessen besser etwas zu essen oder eine Wegbeschreibung zum Sozialamt (fuer Inlaender). Ich wuerde auch gern mein Herz waermen, indem ich Beduerftigen Geld gebe, aber Kriminelle zu foerdern, ist mir zu bloed: ich mag den Vorschlag, lieber fuer rumaenische Kinderheime zu spenden.

    • Nochmal: Es geht mir hier um die Arroganz eines Bankmitarbeiters der Meinung zu sein dass er sein Geld irgendwie moralischer verdient als dieser Bettler.
      Habe nicht behauptet dass es das beste ist dem Bettler Geld zu geben, das ist eine andere (sehr schwierige) Debatte.

      Abgesehen davon: Wenn ein Mensch Hunger hat oder ein Dach über den Kopf braucht ists mir egal ob es einE InländerIn oder ein Mensch ohne österreichische StaatsbürgerInnenschaft ist.

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