Stiegl Keller distanziert sich nicht von rechten Denken


Der Stiegl Keller Salzburg hat nicht auf  einen offenen Brief bezügl. der Strache Veranstaltung in ihrem Lokal reagiert. Hier der offene Brief:

Sehr geehrter Herr Kiener, sehr geehrte Geschäftsführung des Stiegl-Kellers,

wie sie sicherlich wissen, wird sich am 26. Februar abermals Strache mit seinen FPÖ-Parteikameraden im Stiegl-Keller einfinden. Wir fragen sie, was sie dazu bewegt, dieser rassistischen Hetze gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund, als eines der zentralen politischen Positionen der FPÖ, stets Platz zu bieten?

Liegt es tatsächlich in ihrem Interesse, dass sich die Marke Stiegl und der traditionsreiche Stiegl-Keller gegenüber Nicht-ÖsterreicherInnen abwertend positionieren möchte? Oder finden sie die Aussage von FPÖ-Chef Karl Schnell bei einer Veranstaltung der Republikaner stimmig und verbreitungswürdig, wonach es skandalös sei, dass „mittlerweile der Schwarzafrikaner in Lederhose in München die Maß bringt“(0). Oder wenn Strache im Stiegl-Keller mit einer plastischen Beschreibung eines Mordes gegen AsylwerberInnen hetzt und dafür euphorischen Beifall erntet: „[…] vom Asylwerber gepackt und rundherum vom Nacken bis zur Gurgel hindurch aufgeschnitten mit dem Messer“(1).

Auch wenn sie argumentativ dem entgegnen möchten, sie böten in ihren Räumlichkeiten anderen politischen Überzeugungen ebenfalls Platz, bleibt es doch in der Praxis dabei: Sie bieten mit ihrer Einladungspolitik rassistischer Hetze ein Forum.

Wie erklären sie es uns und der interessierten Öffentlichkeit, dass die FPÖ aus dem Müllner-Bräu fliegt und nun Unterschlupf bei Stiegl bekommt?(2) Wieviel führende FunktionärInnen der FPÖ, wie etwa Susanne Winter oder ihr Sohn, Michael Winter ehemaliger Landesobmann des RFJ Steiermark, müssen noch wegen Verhetzung verurteilt werden, damit es zu einem Rauswurf aus dem Stiegl-Keller kommt?

Nicht unerwähnt bleiben soll auch jene revisionistische Aussage von Karl Schnell bei seiner Rede zuletzt im Stiegl-Keller, wonach er Guantanamo als „amerikanisches KZ“ bezeichnete und damit die Ermordung von Millionen Menschen während des Nationalsozialismus verharmlost(3). Ob das ihren Export-PartnerInnen in den USA gefallen würde, bezweifeln wir allerdings. Hier wird eindeutig im extrem rechten Fahrwasser gefischt. Doch nur drei Bier bestellt oder den Code „88“ für „Heil Hitler“ nicht gekannt und lediglich Paintball gespielt mit späteren führenden Neonazigrößen? Wir lassen uns doch nicht für dumm verkaufen!

Herr Kiener, sie haben letztes Jahr für den in Linz stattfindenden Burschschaftskommers mutig öffentlich Stellung bezogen und als Hauptpächter des Klosterhofs klargestellt, dass „sie die für dort geplante Burschenschafter-Veranstaltung verhindern wollen“(4). Die Burschenschaftler fanden sich aber trotzdem in ihrem Lokal ein. Wie konnte das passieren? Selbst Günther Platter von der ÖVP, einer Partei der sie nahe stehen sollen, lehnt eine Zusammenarbeit mit dem in diesem Sommer in Innsbruck stattfindenden Kommers ab und betont „keinesfalls an der Veranstaltung teilzunehmen“(5).

Wir als die Unterzeichnenden dieser Aussendung fordern sie, Herr Kiener und die Geschäftsführung des Stiegl-Kellers, höflich aber bestimmt auf, rassistischer Hetze Einhalt zu gebieten und die Veranstaltunsbewilligung für die FPÖ im Februar und für die Zukunft zu entziehen. Lassen sie nicht zu, dass mit Rassismus und Revisionismus politisches Kapital geschlagen werden kann.

Denn klar ist auch: Solange die FPÖ im Stiegl-Keller den Rassismus in Österreich schürt, solange wird es, wie schon bei den Müllner-Bräu Veranstaltungen der FPÖ, öffentlichen Protest dagegen geben!

Hochachtungsvoll,

(0) http://www.salzburg24.at/news/tp:salzburg24:salzburg-news/artikel/diskriminierende-schnell-sager-gruene-gegen-rot-blaue-koalition-im-landtag/cn/news-20090129-10032872 Die Republikaner: Das deutsche Bundesamt für Verfassungsschutz erkennt in der Partei bis 2004 ein gewisses rechtsextremistisches Potential und beobachtet sie seit Dezember 1992. Im Verfassungsschutzbericht 2006 werden die Republikaner nicht mehr gesondert im Kapitel „Rechtsextremistische Parteien“ aufgeführt, jedoch gebe es „innerhalb der Partei […] nach wie vor Kräfte, die rechtsextremistische Ziele verfolgen oder unterstützen.“

(1) http://www.salzburg24.at/news/tp:salzburg24:salzburg-news/artikel/wahlkampfstimmung-bei-salzburger-fpoe-mit-strache/cn/news-20081112-11040637

(2) http://salzburger-fenster.at/rubrik/fensterputzer/0309/ladurner-geht-als-primar-in-pension-und_11492.html

(3) http://www.youtube.com/watch?v=JLy3zC5ky5g (Wenn sie den kurzen Clip aufmerksam verfolgt haben, werden sie darüber hinaus festgestellt haben, dass wesentliche Elemente der Rede rethorischer Natur sind mit Inhalt gegen null. Nur wenn die Stimme von Schnell nach oben geht und lauter wird, wird Beifall geklatscht. Halten sie diese Art der Politikführung gerade in diesen Zeiten für angemessen?)

(4) http://www.kzverband-ooe.at/index.php?option=com_content&task=view&id=18&Itemid=37

(5) http://search.salzburg.com/articles/2911641?highlight=fp%C3%B6+ Andreas Peham vom DÖW über Burschenschaften: „Und es zeigt sich auch oft, dass die Burschenschaften – gerade wie Grafs Olympia – als Scharnier zwischen dem noch legalen rechtsextremen und dem militanten bis neonazistischen Bereich dienen.“

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