Wo gings hier zum Ulrichsberg?


An diesem Wochenende stand für mich der unscheinbare Ulrichsberg im Mittelpunkt.

Der Ulrichsberg (1.022 m ü. A.) in Kärnten (früher Kernberg oder Kärntner Berg) liegt neben dem Zollfeld auf halber Strecke zwischen St. Veit an der Glan und Klagenfurt und steht im Besitz der ehemaligen Adelsfamilie Goëss. Die Ortschaft Karnburg am Fuße des Berges – die wahrscheinlich auch Namensgeber von Kärnten war – gilt mit dem dort gefundenen Fürstenstein als die Wiege des Landes. Auf den Berg führen eine befestigte Forststraße sowie mehrere Wanderwege. (wikipedia)

Klingt wenig spannend. Stimmt… Es geht jedoch auch nicht um den Ulrichsberg selbst als das was jedes Jahr dort im September stattfindet.

U-Berg Aktionstage

U-Berg Aktionstage

An jedem ersten Sonntag im Oktober wird von der Ulrichsberggemeinschaft eine Gedenkfeier ausgerichtet. Diese Veranstaltung ist eine Veranstaltung mit ehemaligen Wehrmachtsoldaten, Angehörigen des österreichischen Bundesheeres und Veteranenorganisationen. An der Gedenkfeier nehmen Verbände der Kriegsgeneration und andere Organisationen teil. Die Teilnahme von SS-Veteranen (Kameradschaft IV, die sich 1995 formell zurückzog) und deutschen und belgischen Neonazigruppen zog anhaltende Proteste nach sich[1]. Weiters nehmen Politiker(innen) verschiedener Parteien teil, was bei umstrittenen Redebeiträgen immer wieder zu innenpolitischer Berichterstattung führt. Seit einigen Jahren versuchen verschiedene Organisationen unter dem Motto „Ulrichsberg halt’s Maul“ auf die ihrer Meinung nach teilweise geschichtsrevisionistischen Hintergründe dieser Gedenkveranstaltung hinzuweisen. Auch das österreichische Verteidigungsministerium zieht in Erwägung, die Gedenktafeln des Bundesheeres auf dem Ulrichsbergs an einen anderen Ort zu verlegen[1]. (wikipedia)

Dieses Jahr bin ich zum ersten Mal der Aufforderung zur Teilnahme an den Antifaschistischen Aktionstagen vom 18 -21 September gefolgt.

Mit (kleinen) Sack und Pack von Salzburg also in den (Freistaat?) Kärnten.
Am Samstag besuchten wir kurz den Antifa Infostand und nahmen am Antifaschistischen Stadtspaziergang teil.

Antifa Spaziergang

Antifa Spaziergang

Der Spaziergang bestand aus dem Besuchen von geschichtsträchtigen Orten in Klagenfurt (Gestap Quartier, revisionistisches Denkmal, Kärnter Landesregierung, …).
Zu jeder Station gab es auch einen inhaltlichen Input. Nachzulesen ist das Ganze in der U-Berg Zeitung 08.

Nach dem zweistündigen Demozug mit Inhalt und Sprechchören fand eine Lesung von einer slowenischen Zeitzeugin statt.

In der vollbesetzten Buchhandlung Haček – an dieser Stelle noch einmal ein großes Dankeschön! – findet Samstag Nachmittag das Zeitzeuginnengespräch mit Katja Sturm-Schnabl, Dozentin an der Uni Wien statt. Frau Sturm-Schnabl erzählt von der Deportation ihrer Familie, aber auch von der Rückkehr nach Kärnten/Koroška nach 1945. Geschichte, die keine_n Besucher_in kaltlassen.  …

Zeitzeugin

Zeitzeugin

Das war es dann für den Samstag… Schliesslich mussten wir Sonntag früh raus. Das Treffen für die antifaschistische Gegendemo war auf 6.30 festgesetzt.
Müde aber rechtzeitig sind wir (eher bunten) mit den anderen („eher“ schwarzgekleideten) in den Bus und ab gings zum Ulrichsberg.

Dort empfing uns dann auch schon die Polizei und machte uns schnell klar: Die Gegendemo am Berg wurde uns verboten. NS Huldigungen mitsamt Neonazis, Bundesheer und Burschenschaftler haben offenbar Vorrang vor aktiven Widerstand gegen Geschichtsrevisionismus.

Polizei - FreundIn und HelferIn

Polizei - FreundIn und HelferIn

Also haben es uns (zwangsläufig) „gemütlich“ gemacht. Beschützt von einem Ring von PolizistInnen. Da fühlt mensch sich schon sehr beschützt. Auch wenn wir natürlich lieber weiter nach oben zum U-Berg wollten.

Aber wir haben uns nicht abschrecken lassen… Um uns die Morgenkälte zu vertreiben war ja auch der Lautsprecherbus mit guter Musik anwesend.

Demobus

Demobus

Ganz so erfreut war die Polizei dann doch nicht mit uns gemeinsam in der morgentlichen Kälte ausharren zu müssen. Also haben sie flux und trotz unserer Gegenwehr einen Demonstranten aus unserer Mitte gezogen und mitgenommen.. Es sollte nicht der Einzige bleiben. Gegenseitig festhalten, sich nicht loslassen versuchen… Bei der grossen Menge von PolizistInnen leider wenig Chancen.

Kessel aussen

Kessel aussen

Wenigstens kamen dann auch dann die Buse der Ulrichsberggedenksbesucher vorbei. Lautstark machten wir uns bemerkbar… Hier ein paar Bilder der vorbeifahrenden Fahrzeuge…

Bus 1

Bus 1

Bus 2

Bus 2

Bus 3

Bus 3

Das waren natürlich nicht die einzigen Fahrzeuge die vorbeikamen. Schliesslich fanden sich 500 Menschen am Ulrichsberg ein. Menschen die unreflektiert, beabsichtigt und gehässig keinen Unterschied zwischen Widerstandkämpfer_Innen und Wehrmachtsoldaten machten.
Auch mit „Heil und Sieg“ grüssten sich die Ulrichsberg TeilnehmerInnen. Da sich zu Dokumentationszwecken Demonstrant_Innen fanden die unentdeckt dem Gedenken teilnehmen haben wir auch erfahren was über uns so gesagt wurde: „Ins KZ sollen die Chaoten gesteckt werden“
Muss mensch da noch viel dazu sagen?

Anstatt jedoch dem rechten Treiben am Ulrichsberg ein Ende zu setzen schnappte sich die Polizei im Laufe des Vormittags noch 5 weitere Demonstrant_Innen.

Um ca. 13 Uhr verliessen wir die Demo um und dachten an eine Heimreise. Doch selbst am Bahnhof war nicht Schluss mit den rechten Aktivitäten.
Wir sassen nicht lange gemütlich im Bahnhof als wir sahen dass eine Gruppe von rechtsextremen eine Gruppe von Punks/Autonomen verprügeln wollte. Direkt am hellichten Tage vor dem Bahnhof.
Eine schnell informierte Polizei nahm dann aber die Daten der Schläger auf und untersuchte sie.
Naja… immerhin mal Polizei auf unserer Seite.. So lange es sich um dumpfe Schläger geht…

Wenn es um Ewiggestrige geht sieht die Sache natürlich aus….

Berichte in den Medien

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Eine Antwort to “Wo gings hier zum Ulrichsberg?”

  1. […] wieder Ulrichsberg – NS-Verherrlichung stoppen! Über meine Teilnahme an den Protesten gegen das Ulrichsberg Treffen 2008 habe ich berichtet. Dieses Jahr geht es weiter U-Berg […]

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